Ein Freund von mir machte kürzlich einen interessanten Beifang. Im Sommer 2010, als die Erdöl-Plattform die für BP im Einsatz war, explodierte und den Golf von Mexiko übel versaute, hatte dieser Freund der BP angeboten, bei den Räumarbeiten vor Ort mitzuhelfen. Damals wollte BP jedoch keine zusätzlichen Leute, die örtliche Bevölkerung wurde ja zu Spezialisten im Umgang mit dem giftigen Schlamm ernannt.
Nun hat sich BP aber plötzlich an das Angebot meines Bekannten erinnert und ihm einen Brief geschickt. Diesen Brief wollen wir Euch nicht vorenthalten:
(Klicken um den Brief zu vergrössern)
Im Couvert steckte ein Benissimo Los. Das mag nun auf den ersten Blick grosszügig erscheinen, kann aber auch als billige Imagekampagne gewertet werden. Besonders interessant finde ich den Hinweis im letzten Abschnitt: “…freut es Sie vielleicht auch, dass Sie mit ihrem Los gemeinnützige Projekte in den Bereichen Kultur…. unterstützen”.
Diese Kampagne bekommt von uns das Gütesiegel “ölig-schmierig”.
Kürzlich flatterte meiner Frau eine Karte von Readers Digest ins Haus. Offenbar gehört sie zu den Auserwählten, die eine Chance auf den Gewinn von fantastischen 1′100′000 Franken haben. Wow! Das freut uns natürlich schon mal riesig. Laut der Karte stecke Readers Digest bereits eifrig in den Vorbereitungen, um den Gewinn auszuzahlen. Trotz dem ganzen Stress hat sich Ueli Frank, der Leiter des Preisvergabe-Büros, extra die Mühe genommen, meiner Frau schon mal persönlich die passenden Zugverbindungen herauszusuchen. Wow! Soviel Engagement! Soviel Fürsorge! So ökologisch, den Zug zu berücksichtigen! Dabei hat meine Frau doch noch fast gar nicht gewonnen.
Nun will ich mal sehen, wo sie im offenbar immer wahrscheinlicheren Falle ihres Gewinnes hin muss und welchen Zug sie nehmen soll. Schliesslich hat ihr der Ueli Frank doch extra “im SBB Fahrplan… …die günstigste Verbindung” herausgesucht. Ich drehe also die Karte um:
Häh? Ein Netzplan der ganzen Schweiz, von Genf bis St. Gallen, von Chiasso bis Basel? Extra für meine Frau hereusgesucht? Herr Ueli Frank, sind sie sicher, dass sie die richtige Seite aus dem Fahrplan kopiert haben? Wie soll meine Frau jetzt bloss den richtigen Zug erwischen?
Beifang vom Youtube-Channel des umstrittenen “Nahrungsmittelergänzungs”-Herstellers Bios Life. Dessen Schriftzug zierte das Auto des Vaters der ermordeten Grenchner Familie.
Offenbar war der ehemalige Schweizer Profiboxer Stefan Angehrn, der nach Beendigung seiner Box-Karriere vor allem durch hohe Geldschulden von sich reden machte, dick im Geschäft mit Bios Life drin. 400′000 Franken soll er allein 2008 mit Bios Life, dessen Vertrieb mindestens ähnlich wie ein Schneeballsystem funktioniert, verdient haben. Dementsprechend auch seine Begeisterung im Werbevideo.
Kurz nachdem Beifang.ch den Videoausschnitt mit Angehrn auf Youtube verlinkte, wurde das komplette Video, auf dem auch andere Bios-Life-Werber namentlich aufgeführt waren, gesperrt. Der Stefan Angehrn-Teil wurde jedoch offenbar von einem aufmerksamen Leser wieder auf Youtube hochgeladen. Den Ausschnitt gibt es hier zu sehen.
Das zensierte Video auf Youtube:
Die Geschichte zum Mord im Schenkkreis mit Bildern des Bios-Life-Autos auf 20 Minuten.
UPDATE: 19. Juni 2009
Die Bios Life Zentrale der Unicity hat am 13. Juni 2009 in einer Pressemitteilung Stellung zum Grenchener Mord genommen, dabei den Namen der Ermordeten genannt und dementiert, dass es sich um ein Schneeballsystem handelt.
Ein Schweizer Franchisepartner hat diese Medienmitteilung hier veröffentlicht.
Beifang aus dem neu eröffneten Winterthurer Einkaufszentrum Lokwerk vom 30. Mai. Während der Autogrammstunde mit Mister Schweiz André Reithebuch. Aufgabe an ihn: Bitte schreibe "Für meinen Glarner Homeboy Brupi".
Laut “Blick am Abend” vom Mittwoch 15. April 2009 ernährt sich “unser heissester Export” möglichst gesund und fettfrei. Da freut man sich aber wenn sie über ihren Schatten springt und uns ein ein leckeres fettiges Menü empfiehlt, mit Rinderkraftbrühe (hoffentlich viele Fettaugen), Pommes und Poulet (zum Glück kein Grünzeugs dabei) und Vanillecreme mit Schlagrahm (nur Vollrahm bitte). Fehlt nur noch ein richtiges Bier!
Optiker: “In dieses Plakat, da muss doch ein Wortspiel rein, das bleibt hängen, bei den Leuten, oder?” Werber: “Hmmm, ja man könnte schon was machen. Gratis Sehtest – gratis Seetest. See, also so wie das Gewässer. Das müsste man dann aber mit so einer Klammer machen, damit die Leute da noch den Sehtest sehen.” Optiker: “Aber dann heisst es doch eigentlich Seehtest. So ein Wort gibt es doch gar nicht.” Werber: “Das merkt doch niemand, wenn das Motiv funktioniert.” Optiker: “Aber ein Seetest, was ist das eigentlich? Und was hat das denn mit meinen Brillen zu tun?” Werber: “Da machen wir uns mal keine Sorgen, unser Grafiker wird das schon unter einen Hut bringen.”